Beziehungskrise

Dein Vertrauen wurde gebrochen? Was dein Herz jetzt wieder öffnet

Ein verschlossenes Herz verhindert Nähe und Leichtigkeit in der Beziehung. So öffnest du es wieder und fasst neues Vertrauen.
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2:56 Uhr: Stephan liegt wach. Wie fast jede Nacht. An Schlaf ist seit Monaten kaum zu denken.

Unruhig wälzt er sich auf der viel zu harten Matratze des Gästebetts hin und her. Immer wieder taucht Ekelpaket Marc vor seinem geistigen Auge auf – hämisch grinsend und mit Carina im Arm, die Marc verliebt anschmachtet.

Das Problem dabei? Carina ist seine, Stephans Frau. Darum endet jede seiner Fantasien damit, dass er Marc die Fresse poliert – und zwar gründlich.

Stephan schaut matt auf sein Handy: „Wann kann ich endlich aufstehen?“ Dann der Schreck … Donggg … als hätte ihm jemand eins mit der Gusseisenpfanne übergebraten: Carina ist online. Um 3:11 Uhr!

Paar wo beide am Handy sind

Wenn das Vertrauen gebrochen ist: lässt sich das je wieder kitten?

Carina beteuert seit Tagen immer wieder, dass mit Marc nichts war ‚außer‘ ein paar Treffen und Händchenhalten. Weil sie jemanden zum Trösten, Zuhören und Reden brauchte – über die heftigen Streits zwischen Stephan und ihr, ihre Beziehungskrise und darüber, wie es jetzt weitergehen soll.

Carina schwört, dass sie den Kontakt zu Marc abgebrochen hat und seitdem Funkstille herrscht. Doch für Stephan ist gar nichts klar oder erledigt.

Deshalb wird ihm jedes Mal übel, wenn Carina sagt, sie müsse länger im Büro bleiben. Deshalb fragt er genau nach, um was es in dem Film ging, den sie angeblich mit ihrer Freundin geschaut hat. Deshalb ist er aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausgezogen.

Jetzt fühlt er sich bestätigt: was zum Teufel hat Carina schließlich um diese Zeit auf WhatsApp zu suchen?

Und vor allem: Wie soll Stephan seiner Frau je wieder vertrauen?

Es gibt viele Arten, auf die Dein Vertrauen gebrochen werden kann

Meistens kommen uns beim Thema ‚Vertrauensbruch in Beziehungen‘ als Erstes Affären, Fremdverlieben und Betrügen in den Sinn. Kein Wunder: schließlich war jeder 3. Deutsche schon mal in eine Dreiecksgeschichte verwickelt. Du auch?

Vertrauensbrüche können aber auch ganz anders geartet sein: Da werden …

… Versprechen nicht eingehalten

„Ich schwöre: ab jetzt trinke ich weniger.“

„Nein, ab heute schreie ich Dich nie wieder an.“

„Ja, nächstes Jahr bestimmst Du den Urlaubsort.“

… Entscheidungen ohne Absprachen getroffen

„Natürlich habe ich meinem Chef gesagt, dass ich die Leitung der neuen Filiale in Alaska übernehme – dieses Angebot kann ich doch nicht ausschlagen!“

… Angelegenheiten verheimlicht

„Ich weiß auch nicht, wem die Nummer 0900-666 gehört und wie die auf der Telefonrechnung gelandet ist“

Das Ereignis, das Dein Vertrauen gebrochen hat, ist nur der Anfang …

Der eigentliche Vorfall, welches Dein Misstrauen ausgelöst hat, ist die eine Sache. Dieser Moment war schmerzhaft. Ein Schock. Du warst entsetzt, so schrecklich enttäuscht, hast Dich wie gelähmt gefühlt.

Viel belastender sind allerdings oft die Langzeitfolgen: ein Rattenschwanz, der das Leben und die Beziehung zur Hölle machen kann.

Da ist z.B. Dein beschädigtes Selbstwertgefühl, weil Du den Vertrauensbruch persönlich nimmst und auf Dich beziehst:

Und dann ist da auch noch diese Angst, die Dich so verunsichert – die Angst, dass Dir so was noch mal passiert. Bei dem kleinsten Anzeichen, der kleinsten Schwindelei, der kleinsten Unstimmigkeit melden sämtliche Antennen „Alarm!“ in Dir – Du fühlst Dich wie das berüchtigte Kaninchen vor der Schlange, und diese latente Ungewissheit dreht Dir regelmäßig den Magen um.

Also wählst Du die naheliegendste Strategie gegen Unsicherheit:

Du fragst ständig nach, was Deine Partnerin / Dein Partner wann, wie, wo und mit wem gemacht hat.

Hakst noch mal nach: „Wirklich? Diesmal sagst Du mir doch die Wahrheit, oder?“

Mit Argusaugen beobachtest Du ihr / sein Verhalten, wirfst regelmäßig verstohlene Blicke auf sein Handy, lässt Dir im Auto-Navi die letzten Ziele anzeigen usw.

Du versuchst also, alle Eventualitäten und Deine Partnerin / Deinen Partner zu scannen. Es ist die bewusste oder unbewusste, aber zweifelsohne die meist gewählte Waffe gegen Misstrauen: Kontrolle.

Warum Kontrolle Dir nicht weiterhilft, wenn Dein Vertrauen gebrochen wurde

Die beschriebenen Reaktionen sind nachvollziehbar und völlig normal. Aber mal Hand aufs Herz: was machen sie mit Dir? Sind Kontrollgebärden nicht furchtbar anstrengend?

In Wirklichkeit nimmt Dir der Drang, Deine Partnerin / Deinen Partner zu kontrollieren, sämtliche Leichtigkeit im Leben und gefährdet früher oder später Deine Partnerschaft. Ständiges Misstrauen bringt jede Beziehung irgendwann ins Wanken. Warum? 

Worauf Du Deine Energie lenkst, das wird verstärkt. Heißt: wenn Du fokussierst, was alles Schlimmes passieren könnte, wird diese Angst genau das hervorrufen, was Du eigentlich vermeiden möchtest. Das hat übrigens nicht mit esoterischem Gefasel zu tun (das lehne ich nämlich vehement ab 🤨 ), sondern mit Logik.

Nehmen wir als Beispiel noch mal Stephan und Carina: Stephan hat also ständig Angst vor einem erneuten Vertrauensbruch oder befürchtet sogar noch Schlimmeres. Er ist so verunsichert, dass er Carina hinterherspioniert und kontrolliert. Carina ist genervt und fühlt sich unter Druck gesetzt, woraufhin sie sich mehr und mehr von Stephans distanziert, was Stephans Ängste nur noch mehr schürt. Die beiden verschließen sich dem anderen gegenüber zusehends, die Stimmung spannt sich so lange an, bis von der einstigen Nähe kaum noch was zu spüren ist – weder emotional noch körperlich. Das verstärkt wiederum Stephans Angst und … nun ja, jetzt könntest Du wieder am Anfang dieses Absatzes einsteigen.

Die Spirale dreht sich also unaufhörlich weiter nach unten. Und machen wir uns nichts vor: die Wahrscheinlichkeit, dass sich Carina zu Marc hingezogen fühlt, wird dadurch nicht gerade geringer, oder? Genau das also, was Stephan nicht will.

Was kannst Du tun, wenn Dein Vertrauen gebrochen wurde?

Wenn also Kontrolle nicht funktioniert: was hilft Dir dann, damit Du wieder vertrauen und Dein Herz öffnen kannst?

Stell Dir dafür mal kurz ein anderes Szenario für Stephan und Carina vor:

In diesem Szenario hat Stephan keine Angst mehr davor, dass Carina was mit Marc anfangen könnte … Wie es kommt, so kommt es – daran wird auch seine Kontrolle nichts ändern. Er weiß, dass es keine Garantie gibt – nie und in keiner Beziehung. Nein, auch nicht beim glatt polierten Vorzeige-Paar Svenja und Jörg von nebenan.

 

Stephan lässt seine Frau machen, und statt als gestresster Spion ist er lieber als fröhlicher Papa mit seinen Kindern unterwegs. Die Beziehung zwischen ihm und Carina hat sich schon merklich entspannt, und sie nähern sich wieder Stück für Stück aneinander an.

Stephan fühlt sich sicher. Und er vertraut … sich selbst.

What, wie!? Sich selbst, Sandra? Und was ist mit dem Vertrauen zu Carina?

Was soll ich sagen (auch auf die Gefahr hin, dass Du mich dafür steinigen möchtest)? Das spielt gar keine so große Rolle, denn:

Anderen vertrauen heißt in erster Linie mal, Dir selbst zu vertrauen.

Wem kannst Du zu 100 % vertrauen?

Wem kannst Du ganz und gar vertrauen? Ich meine wirklich zu 100 %? Vielleicht sagst Du jetzt: „Meiner Mama“ oder „Meinem besten Freund“. Es ist wunderbar, wenn Du solche Menschen an Deiner Seite hast. Und es ist gut möglich, dass sie Dich nie enttäuschen werden. Und doch:

Den Spruch »Ich hab schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen« gibt es nicht ohne Grund … Also: selbst wenn Du ein vertrauensseliger Mensch bist (so wie ich): Es gibt keine Versicherung gegen Vertrauensbrüche.

Nur einer einzigen Person kannst Du voll und ganz, tutti completti, immer und überall vertrauen. Wer dieser Mensch ist? Das bist Du selbst. Zumindest bestenfalls.

Wenn Du Dich auf Dich verlassen kannst, dann schmeißt Dich nichts um. Dann weißt Du: Du kommst mit allen Geschenken klar, die das Leben für Dich bereit hält – mit den schönen sowieso, aber auch mit den doofen und den Zitronen (ach ne, den Spruch mit der Limo lass ich jetzt 😜 ).

Wenn es also eine Sache gibt, die Dein Herz wieder öffnet, dann ist es Selbstvertrauen. Und weißt Du, was das Beste daran ist? Diese Sache hast Du in der Hand! Du kannst dafür sorgen, Du kannst es Dir aneignen, und dabei bist Du auf niemanden angewiesen.

Das Wichtigste, wenn Dein Vertrauen gebrochen wurde

Da Du also keine Kontrolle über andere hast, ist das Beste, was Du tun kannst, um Dich Menschen gegenüber (wieder) zu öffnen und ihnen zu vertrauen: Stärke das Vertrauen in Dich selbst.

Hier kommt ein erster Schritt, wie Du das anstellen kannst:

Stelle Dir ein Worst-Case-Szenario in Verbindung mit der betreffenden Person und Situation vor. Du fragst Dich also: „Was ist das Schlimmste, das geschehen könnte?“

Für Stephan z.B. wäre es das Furchtbarste, wenn Carina was mit Marc anfängt und ihn wegen diesem Idioten sitzen lässt.

Was ist Dein Horrorszenario? Ja, ich weiß: unangenehm … aua … braucht doch kein Mensch … Versuch’s dennoch. 💪

Stephan würde vermutlich aus dem Haus ausziehen müssen, die Kinder seltener sehen, finanzielle Einbußen einstecken … Ganz zu schweigen von dem entsetzlichen Trennungsschmerz!

Und dann – wenn Du Deine schrecklichste Situation vor Deinem inneren Auge siehst – dann fängst Du an, Dich genau dafür zu wappnen und Dich für diese Eventualität zu stärken.

Nutze dafür alle Hilfen, die Du bekommen kannst:

All das tust Du so lange, bis Du überzeugt bist: „Egal, was kommt: ich kriege das hin!“

Nein, die Aussicht auf Deinen persönlichen Super-GAU muss sich nicht toll anfühlen. Es reicht, wenn Du weißt, Du würdest ihn meistern – und zwar erhobenen Hauptes.

Dein Worst-Case-Szenario wird mit großer Wahrscheinlichkeit niemals eintreten: wusstest Du, dass über 90% aller Sorgen statistisch gesehen unbegründet sind, weil sie niemals eintreten? Aber der Punkt ist: wenn Du weißt, dass Du sogar mit Deinem Horrorszenario klar kämst, macht Dich das so widerstandsfähig und selbstsicher (und übrigens auch noch sexyer 😉 ), dass Du Dich traust, Dein Herz (wieder) zu öffnen.

Natürlich heißt mehr Selbstvertrauen nicht, dass Du Dich nicht von negativen Menschen lösen, trennen oder abgrenzen sollst, die Dein Vertrauen missbrauchen. Es ist ganz allein Deine Entscheidung, wann oder nach der wievielten Chance es reicht. Und sei Dir gewiss: je mehr Du Dir selbst vertraust, umso besser erkennst Du den Punkt, an dem Du gehen oder bleiben solltest.

Apropos ‚besser‘: So oder so lohnt es sich, in Dein Selbstvertrauen zu investieren. Du wirst Ängste los, kannst tiefe und authentische Verbindungen mit anderen eingehen und gehst offenen Herzens durchs Leben – ob mit oder ohne Partnerin / Partner und ob in der jetzigen oder einer neuen Beziehung mit jemandem, der am Ende womöglich viel besser zu Dir passt.

Kurzum: Menschen, die vertrauen, sind nicht vor negativen Ereignissen gefeit. Aber sie sind glücklicher.

Herzliche Grüße aus dem Blauen Sessel

Sandra

P.S.: Im Artikel empfehle ich Dir, alle Möglichkeiten zu nutzen, die Dir zu mehr Selbstvertrauen verhelfen. Wenn Dir das zu lange dauert oder zu anstrengend ist und Du nach einer energie- und zeitsparenden Abkürzung suchst: die Blue Map führt Dich ohne Umwege an Dein Ziel. Wie das funktioniert, liest Du hier: 👉 Mit der Blue Map Selbstvertrauen gewinnen und wieder leicht lieben und leben

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Geschrieben von

Sandra Hinte
Coach für Menschen in Beziehungskrisen
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Fotos von Trung Nguyen und cottonbro von Pexels